NiederRhein Edition 01/2016: KulturLandSchaft – BUNT & VIELFÄLTIG

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NiederRhein Edition 01/2016: KulturLandSchaft – BUNT & VIELFÄLTIG

Kaum zu glauben, aber wahr – und auch kein Aprilscherz, seit 01.04. ist die Ausgabe Frühjahr/Sommer 2016 der NiederRhein Edition da!

NiederRhein Edition Ausgabe 01_2016

 

Ab und an lassen wir in unser Editorial der NiederRhein Edition unsere Sichtweise und Gedanken zu aktuellen Themen einfließen. Diesmal nicht. Dachten wir. Genug wurde und wird über die allgegenwärtigen Themen „Flüchtlingskrise“, „Europa“, „Terror“ usw. an anderer Stelle geschrieben und geredet. Aber da sind wir zufällig auf den Aphorismus von Marie Freifrau von Ebner-Eschenbach gestoßen:

»Wir sind in Todesangst, dass sich die Nächstenliebe zu weit ausbreiten

könnte, und richten Schranken gegen sie auf – die Nationalitäten.«

Die Schriftstellerin starb vor einhundert Jahren und ahnte den Untergang ihrer Welt – die Habsburger Monarchie – der Grenzziehungen, Verfolgung und Vertreibung folgten. 1914 erklärte Österreich, Ungarn den Krieg und der Erste Weltkrieg begann. Unnötiges Dramatisieren liegt uns fern und doch scheinen die Worte von Marie Freifrau von Ebner-Eschenbach aktueller denn je zu sein.

Wir hoffen, dass die Nächstenliebe und die Menschlichkeit in unseren Herzen und Köpfen, bei der Suche nach und dem Finden von Lösungen immer die Oberhand behalten. Sich durchsetzen gegenüber Hetzern, Demagogen und Phrasenschreibern, deren Geschäft und Ansinnen es ist, unsere Ängste anzufachen und sich daran zu bereichern: Macht zu erlangen, aber auch keine Lösung zu haben. Denn Angst, Hass, Gewalt und Abschottung sind keine Lösung.

Irgendetwas müssen wir doch aus der Vergangenheit gelernt haben. Vielleicht, dass Gut und Böse nah beieinander liegen. Eine Erkenntnis, die der bekannte Düsseldorfer Bildhauer Bert Gerresheim bereits in früh-ester Kindheit erlangte und die sich bis heute in seinen Werken wiederfindet. Was Hitler damit zu tun hat, erfahren Sie auf den Seiten 70 bis 78 dieser Ausgabe. „Operation marriage“ lautete 1946 der Codename der Briten, mit dem sie unser Bundesland Nordrhein-Westfalen durch den Zusammenschluss des nördlichen Teils der preußischen Rheinprovinz und der preußischen Provinz Westfalen aus der Taufe hoben.  Das ist nun 70 Jahre her und wird im August mit einem dreitägigen Bürgerfest zum NRW-Tag 2016 in der Landeshauptstadt Düsseldorf feierlich begangen. „Das Jahr ohne Sommer“ lautet der Titel des diesjährigen Schumannfests und – keine Sorge – bezieht sich auf das Jahr 1816. Was ein Vulkanausbruch in Indonesien und eine Aschewolke vor 200 Jahren damit zu tun haben, lesen Sie auf Seite 36. Der Winter war eher mild, der Frühling steht aktuell in den Startlöchern und wir wünschen uns einen tollen Sommer. Wir freuen uns schon jetzt auf die Spargel- und Erdbeer-Zeit am Niederrhein, die bunten Blumenmärkte und zahlreichen Stadtfeste. Wie immer gibt es viel zu erleben, entdecken, zu feiern und zu genießen: der Flachsmarkt zu Pfingsten auf Burg Linn, das Sommerton-Festival auf Schloss Diersfordt, Ritterfeste und Mittelaltermärkte und endlich, nach fast 730 Tagen öffnet der Archäologische Park Xanten im Juni wieder seine Tore für das wohl größte Römerfest überhaupt. Geldern erwartet wieder 600 internationale Straßenmaler, die, erfahrungsgemäß, die Innenstadt an nur einem Wochenende, in eine große Open-Air Galerie verwandeln. Wem das alle zu viel „Tamtam“ ist und der lieber Erholung in der Natur sucht, dem empfehlen wir einen Ausflug zur Bislicher Insel – ein rund 1.200 Hektar großes, südöstlich von Xanten gelegenes Landschaftsareal. Oder den Naturpark Schwalm-Nette, der sich entlang der deutsch-niederländischen Grenze erstreckt und auf rund 435 qkm Teilgebiete der Kreise Kleve, Viersen und Heinsberg sowie der Stadt Mönchengladbach umspannt.

Ob nun in der Abgeschiedenheit, bei geselligem Treiben oder einfach einem Tag im Museum – überall kann es sich lohnen, kurz inne zu halten. Vor allem, um sich schöne Momente bewusst zu machen. Wahrzunehmen, wie gut es uns doch geht und vielleicht etwas von unserem Glück zu teilen, im Kleinen wie im Großen. Oder um es mit den Worten von Marie von Ebner-Eschenbach aus „Das Gemeindekind”[1] zu sagen: „Meine letzten Worte, lieber Mensch, merk sie dir! präge sie dir in die Seele, ins Hirn. Gib acht: Wir leben in einer vorzugsweise lehrreichen Zeit. Nie ist den Menschen deutlicher gepredigt worden: Seid selbstlos, wenn aus keinem edleren, so doch aus Selbsterhaltungstrieb … In früheren Zeiten konnte einer ruhig vor seinem vollen Teller sitzen und sich’s schmecken lassen, ohne sich darum zu kümmern, dass der Teller seines Nachbars leer war. Das geht jetzt nicht mehr, außer bei den geistig völlig Blinden. Allen übrigen wird der leere Teller des Nachbars den Appetit verderben – dem Braven aus Rechtsgefühl, dem Feigen aus Angst …Darum sorge dafür, wenn du deinen Teller füllst, dass es in deiner Nachbarschaft so wenig leere als möglich gibt. Begreifst du?“

(sora)

 

[1] „Das Gemeindekind“ von Marie Freifrau von Ebner-Eschenbach, Reclam Verlag, Stuttgart, Januar 1985, ISBN 3-15-008056-8. Der erste Abdruck des Gemeindekindes erschien in der Deutschen Rundschau im Februarheft 1887